Organspende: Wenn du nicht entscheidest, entscheidet Jens Spahn für dich!

Organspende: Wenn du nicht entscheidest, entscheidet Jens Spahn für dich!

Organspende – ja oder nein? Ein umstrittenes Thema. Aber stell dir vor, dein Arzt sagt dir, dass du sterben musst, wenn du kein neues Organ bekommst. So geht es in Deutschland mehr als 10.000 Betroffenen. Jeden Tag sterben drei Menschen, die auf der Warteliste für Organe stehen, weil sie nicht rechtzeitig eine Spenderorgan bekommen. Unser Gesundheitsminister Jens Spahn hat deshalb eine Debatte um Probleme rund um die Organspende in Deutschland losgetreten.

Es gibt einfach viel zu wenig transplantierbare Organe in Deutschland! Und das, obwohl 84 Prozent der Deutschen dem Thema Organspende positiv gegenüber stehen. Trotzdem haben nur etwas mehr als ein Drittel einen Organspendeausweis. Natürlich gibt es für den Mangel an Spenderorganen ganz viele verschiedene Gründe: Dazu gehören Probleme in den Krankenhäusern, die recht kleine Gruppe von Spenderinnen und Spendern, deren Organe überhaupt in Frage kommen, aber eben auch große rechtliche Hürden bei der Organentnahme.

Aktuell kommen nur Personen als Organspender*innen in Betracht, bei denen ein Hirntod festgestellt wurde. Das bedeutet, alle Teile des Gehirns müssen vollständig und endgültig abgestorben sein. Um Interessenskonflikte zu vermeiden, müssen zwei unabhängige, neurologisch versierte Ärzte den Hirntod bescheinigen. Außerdem müssen die Hirntoten zu Lebzeiten festgehalten haben, dass ihre Organe gespendet werden dürfen. Das geht zum Beispiel mit einem Organspendeausweis oder mit einer Patientenverfügung. Vielen macht das Thema Organspende aber Angst. Doch auch wenn wir uns um eine Entscheidung herumdrücken, ändert das nichts daran, dass irgendjemand im Ernstfall treffen muss, was mit unseren Organen passiert.

Jens Spahn will die bisherige sogenannte „Entscheidungslösung“ jetzt ändern. Er hat eine Diskussion darüber angestoßen, ob jeder in Deutschland bald automatisch Organspender wird, und spricht sich für die „doppelte Widerspruchslösung“ aus. Das heißt: Nur wer sich zu Lebzeiten explizit gegen eine Spende ausspricht, wäre vom potentiellen Spender*innenkreis ausgenommen. Wer sich nicht positioniert hat, überlässt das letzte Wort bei der Entscheidung über Organe ihren/seinen Angehörigen.

Mit diesem Vorstoß ist Jens Spahn nicht alleine. Er orientiert sich dabei an vielen anderen europäischen Ländern, die das so oder so ähnlich schon eingeführt haben. So möchte Spahn die Organspende zur Normalität erklären.

Ein besonders glanzvolles Beispiel ist Spanien: Während dort 2017 mehr als 5000 Organe Menschenleben gerettet haben, wechselten in Deutschland nur 2765 den Besitzer. Diese Statistiken wirken umso krasser, wenn man sich die Bevölkerungszahlen vor Augen führt. Deutschland hat fast doppelt so viele Einwohner*innen wie Spanien - und trotzdem nur halb so viel gespendete Organe! Wtf?!

Und klar, wenn Deutschland die doppelte Widerspruchslösung einführen würde, wären nicht direkt alle Probleme gelöst. Das Bundesministerium für Gesundheit hat deshalb zusätzlich einen Gesetzentwurf in den Bundestag eingebracht, der die Krankenhäuser bei Transplantationen unterstützen soll. Neben mehr Geld für die intensivmedizinische Versorgung von Hirntoten, einer verbesserten Diagnostik und freigestellten Transplantationsbeauftragten soll auch die Identifizierung von potentiellen Organspender*innen besser kontrolliert werden.

Gegen die Widerspruchslösung sprechen einige ethische Bedenken, die von Teilen der Politik, dem Deutschen Ethikrat und der katholischen Kirche vorgebracht werden: Gerät die körperliche Selbstbestimmung des Menschen in Gefahr? Wird unser Körper zum Ersatzteillager umfunktioniert? Kann man Schweigen zum Thema Organspende wirklich als Zustimmung werten? Das sind wichtige Grundsatzfragen, die gerade dann berücksichtigt werden müssen, wenn es um Eingriffe geht, die den Körper betreffen. Dennoch: Eine Organspende rettet Leben.

Ob du für oder gegen Organspende, für oder gegen die Widerspruchslösung bist, musst du selbst entscheiden. Und genau darum geht es! Wenn du keinen Bock darauf hast, dass die Politik in deine Freiheiten eingreift, dann nutze sie. Leg dir einen Organspendeausweis zu. Dort kannst du auch angeben, dass deine Organe nicht gespendet werden sollen. Und so ersparst du vor allem auch deinen Angehörigen im Ernstfall ‘ne Menge Stress. Wenn du also selbst über deinen Körper entscheiden möchtest, dann tu es doch einfach!

Übrigens, diese Promis setzen sich für Organspende ein: Joko Winterscheidt, Matthias Schweighöfer, FreshTorge, AlexiBexi, Spacefrogs, Joyce Ilg und viele mehr.

Du willst mehr wissen? Dann empfehlen wir dir diese Quellen:
Statistiken zum Thema Organspende (Eurotransplant): https://www.eurotransplant.org/cms/mediaobject.php?file=803150+020288+Statistical+Report+2017+%28online%2913.pdf
FAQ Organspende:
https://www.organspende-info.de/infothek/faq-organspende
Jahresbericht 2017 Deutsche Stiftung für Organtransplantati